Fondspolice oder ETF-Sparplan:
Was nach Kosten und Steuern übrig bleibt
Eine Fondspolice, also eine fondsgebundene Rentenversicherung, und ein ETF-Sparplan im eigenen Depot können in genau dieselben Fonds investieren. Trotzdem kommt am Ende nicht dasselbe heraus. Hier steht, wo die Versicherung Geld kostet, wo sie Steuern spart, was beim Umschichten passiert und was nach 30 Jahren unterm Strich bleibt. Ehrlich gerechnet, mit Quellen.
Fondspolice oder ETF-Sparplan:
Die kurze Antwort
Bei üblichen Kosten bleibt mit einem ETF-Sparplan im Depot meist mehr übrig, auch nach Steuern. In unserem Beispiel mit 150 € im Monat über 30 Jahre liegt der ETF-Sparplan nach Steuern rund 19.600 € vorne. Die Police hat echte Vorteile: Fondswechsel im Vertrag kosten keine Steuer, bei der Auszahlung gilt eine Teilfreistellung von 15 % und ab 62 wird vom Rest nur die Hälfte besteuert. Und auch wenn du jederzeit Geld entnehmen kannst, ist die Hürde dafür höher als im Depot. Und: Wer im Depot in einer Krise verkauft oder Rentengeld für anderes ausgibt, verliert schnell mehr, als die Police kostet. Lohnen kann sie sich deshalb, wenn sie dich wirklich davon abhält, sehr günstig ist, lange läuft, du unterwegs umschichten willst oder du dir eine Rente wünschst, die nie aufhört.
Was ist eine fondsgebundene Rentenversicherung?
Eine Rentenversicherung, bei der dein Geld in Fonds angelegt wird, zum Beispiel in breit gestreute Aktien-ETFs. Man kann sie sich wie einen Fondssparplan in einer Versicherungshülle vorstellen. Die Hülle bringt drei Dinge mit: eigene Kosten, eigene Steuerregeln und die Möglichkeit, das Geld im Alter in eine lebenslange Rente umzuwandeln.
Bei Tarifen ohne Beitragsgarantie schwankt der Wert wie bei einem Depot1. Wie stark ein ETF-Sparplan in den letzten 50 Jahren im schlimmsten Fall geschwankt hat, zeigt der Ratgeber Wie riskant ist ein ETF-Sparplan?
Police und Depot im Überblick
| Was zählt | Fondspolice | ETF-Sparplan im Depot |
|---|---|---|
| Kosten | Fondskosten plus Kosten der Versicherung | Fondskosten, je nach Anbieter Depot- und Ordergebühren |
| Steuern beim Sparen | keine, auch nicht beim Fondswechsel | jährlich kleine Vorabpauschale, Steuer bei jedem Verkauf |
| Steuern bei Auszahlung | Teilfreistellung 15 %; ab 62 und nach 12 Jahren vom Rest die Hälfte mit deinem Steuersatz (42,5 % des Gewinns) | Teilfreistellung 30 %; auf den Rest 25 % Abgeltungsteuer plus Soli |
| Lebenslange Rente | ja, über den Rentenfaktor; mit 67 sind 17 % der Rente steuerpflichtig | nein, du entnimmst selbst |
| An dein Geld kommen | jederzeit per Teilentnahme, ohne zu kündigen; in den ersten Jahren ist oft weniger drin als eingezahlt | jederzeit, zum aktuellen Kurs |
| Im Todesfall | je nach Vertrag, an Bezugsberechtigte | alles gehört zum Erbe |
Quellen: § 20 EStG2, § 52 Abs. 28 EStG3, §§ 16, 18, 20 InvStG6, § 22 EStG7, § 169 VVG11.
Die Kosten:
Wo bei der Police das Geld bleibt
Bei einem ETF-Sparplan zahlst du vor allem die laufenden Kosten des Fonds. Im Rechenbeispiel unten nehmen wir dafür 0,2 % im Jahr an. In der Police kommen Kosten der Versicherung dazu:
- Abschluss- und Vertriebskosten: Sie werden meist mit den ersten Beiträgen verrechnet. Wie hoch sie sind, muss dir der Versicherer vor Vertragsschluss als Gesamtbetrag in Euro nennen10.
- Verwaltungskosten: laufend, ebenfalls vorab anzugeben10.
- Fondskosten: wie im Depot, je nach gewähltem Fonds.
Damit du Angebote vergleichen kannst, muss jeder Versicherer alle Kosten außerdem in einer Zahl angeben: den Effektivkosten10. Sie sagen, um wie viele Prozentpunkte die Kosten deine Rendite pro Jahr senken. Effektivkosten von 1,5 % heißen: Aus 6 % Fondsrendite werden 4,5 %.
Was die Finanzaufsicht BaFin bei fondsgebundenen Verträgen gemessen hat (Eintrittsalter 37, 30 Jahre Laufzeit, 100 € im Monat, Abfrage 2021)8:
Seitdem sind die Kosten gesunken: In der Abfrage zum Neugeschäft 2024 lag das teuerste Viertel des Markts bei 30 Jahren Laufzeit bei 1,9 %, einzelne Produkte bei mehr als 3 %9. Einen neuen Wert für die Mitte des Markts nennt die BaFin nicht.
Auch die Stiftung Warentest kommt zum selben Ergebnis: Die ETF-Auswahl in den Policen ist bei fast allen gut, die meisten Tarife haben zu hohe Kosten. Nur 3 von 22 getesteten Tarifen ohne Beitragsgarantie sind „gut“1.
Die Steuern:
Wo die Police punktet
Hier hat die Versicherung echte Vorteile. Drei davon sind wichtig:
Teilfreistellung und halber Gewinn
Lässt du dir Geld auszahlen, gilt zuerst eine Teilfreistellung: 15 % des Gewinns sind steuerfrei, so wie beim ETF im Depot 30 %2, 22. Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und bist du mindestens 62 (bei Verträgen bis 2011: 60), zählt vom Rest nur die Hälfte, und zwar zu deinem persönlichen Steuersatz2, 3, 4. Versteuert werden also 42,5 % des Gewinns.
Als Rente wenig Steuer
Wählst du eine lebenslange Rente, zahlst du nur Steuer auf den Ertragsanteil. Beginnt die Rente mit 67, sind das 17 % jeder Rentenzahlung7.
Zum Vergleich das Depot: Beim Verkauf von Aktien-ETFs sind 30 % des Gewinns steuerfrei (Teilfreistellung). Auf den Rest zahlst du 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf4, 5, 6. Das sind rund 18,5 % des Gewinns. Dazu kommt der Sparer-Pauschbetrag: 1.000 € Kapitalerträge im Jahr bleiben steuerfrei, für Ehepaare 2.000 €2. Wer im Alter Stück für Stück verkauft, kann ihn jedes Jahr neu nutzen.
Eigene Berechnung: Police 42,5 % des Gewinns × Steuersatz × 1,055 (Soli), Depot 70 % × 26,375 % = 18,5 % des Gewinns. 18,5 geteilt durch 44,8 ergibt rund 41 %. Die Teilfreistellung der Police gilt nur für Erträge aus Investmentfonds, bei Verträgen von vor 2018 erst für Erträge ab 201822. Bei Kapitallebensversicherungen gelten für den halben Steuersatz zusätzlich Regeln zum Todesfallschutz2; sie betreffen Rentenversicherungen nach dem Wortlaut nicht.
Rechenbeispiel:
150 € im Monat, 30 Jahre
Gleiche Fonds, gleiche Rendite, nur die Hülle ist anders. Du zahlst von 37 bis 67 jeden Monat 150 € ein und lässt dir mit 67 alles auf einmal auszahlen.
Eigene Berechnung, Einzahlung jeweils zum Monatsanfang, Kosten als Abzug von der Rendite. Depot: Teilfreistellung 30 %, auf die übrigen 70 % des Gewinns 26,375 %. Police: Teilfreistellung 15 %, vom Rest die Hälfte, also 42,5 % des Gewinns, mit 25 % plus Soli. Beide ohne Kirchensteuer. Die 1,5 % Effektivkosten sind unsere Annahme: etwas unter der Mitte des Markts von 2021 (1,64 %), weil die Kosten seitdem gesunken sind8, 9. Auch 0,2 % ETF-Kosten und der Steuersatz sind Annahmen. Bei vielen Rentnern fällt wegen der Freigrenze kein Soli an, dann sähe die Police etwas besser aus. Nicht berücksichtigt: Vorabpauschale, Sparer-Pauschbetrag, Depotgebühren. Die Rendite ist angenommen und nicht garantiert. Zur Einordnung: Der schlechteste 30-jährige Sparplan auf den Weltaktienindex seit 1975 kam auf 6,2 % im Jahr, der Durchschnitt auf 7,9 %12.
Was passiert, wenn sich die Annahmen ändern?
- Andere Rendite: Bei 4 % im Jahr bleiben im Depot 91.217 €, in der Police 77.166 €. Bei 8 % sind es 176.949 € gegen 148.914 €. Das Depot liegt in beiden Fällen vorne.
- Höherer Steuersatz im Alter: Bei 42 % bleiben in der Police 101.460 €. Der Abstand wird größer, nicht kleiner.
- Günstigere Police: Gleich auf liegt die Police in diesem Beispiel erst bei rund 0,5 % Effektivkosten. Das schaffen nur sehr günstige Tarife.
Was aus deiner eigenen Sparrate werden kann, rechnest du im ETF-Sparplan-Rechner aus.
Der größte Kostenfaktor:
Wenn du ans Rentengeld gehst
Die Rechnung oben hat einen Haken: Sie geht davon aus, dass du im Depot 30 Jahre lang alles richtig machst. Nie in einer Krise verkaufen, nie etwas für das neue Auto oder den Urlaub abzweigen. Genau das gelingt vielen nicht. Ein Depot ist ein paar Klicks entfernt. Und bei der Altersvorsorge ist dieser Fehler besonders teuer: Was du mit 45 herausnimmst, fehlt dir mit 67 als Rente.
Ökonomen nennen das „mentale Buchführung“: Geld, das in einem eigenen Topf für die Rente liegt, behandeln wir anders als freies Geld20. Dass Anleger sich selbst Rendite kosten, ist gut belegt: In US-Fonds und ETFs verdiente der durchschnittlich angelegte Dollar in den 10 Jahren bis Ende 2025 8,7 % im Jahr, die Fonds selbst 9,9 %. Die Lücke von 1,2 Prozentpunkten entsteht durch schlechtes Timing beim Kaufen und Verkaufen. Bei US-Aktienfonds war sie mit 0,4 Prozentpunkten kleiner21.
Auch aus der Police kommst du jederzeit an Geld, per Teilentnahme. Aber dafür stellst du einen Antrag beim Versicherer, und das Geld liegt sichtbar in einem Rentenvertrag. Diese höhere Hürde kann dich bremsen. Was das wert ist, zeigen zwei Szenarien mit den Zahlen von oben:
Alle Werte mit 67 nach Steuern. Eigene Berechnung mit denselben Annahmen wie im Rechenbeispiel. Verhaltenslücke: Die Rendite im Depot liegt um 0,4 bzw. 1,2 Prozentpunkte unter der Fondsrendite (Werte aus Mind the Gap 2026, US-Daten21). Entnahme: 10.000 € werden nach 8 Jahren verkauft und nicht wieder eingezahlt, Steuer auf den Gewinnanteil. Annahme für die Police: Du entnimmst nichts und hast keine Verhaltenslücke.
- Die 10.000 € mit 45 fehlen mit 67 nicht als 10.000 €, sondern als 34.569 € Guthaben, weil sie 22 Jahre nicht mehr mitwachsen. Mit dem Rentenfaktor 30 von unten sind das rund 104 € Rente im Monat weniger, lebenslang. Die Police liegt dann rund 10.100 € vorne.
- Bei 1,2 Prozentpunkten Verhaltenslücke liegt die Police knapp vorne, rund 2.600 €. Bei 0,4 Prozentpunkten liegt das Depot weiter rund 11.600 € vorne.
- Neuer Gleichstand: Bei 1,2 Prozentpunkten Verhaltenslücke dürfte die Police bis rund 1,65 % Effektivkosten haben und läge immer noch gleich auf. Nach der einen Entnahme mit 45 wären es rund 2,1 %. Wer im Depot alles richtig macht, braucht dagegen eine Police unter rund 0,5 %.
Hast du in der letzten Krise verkauft oder deine Sparrate gestoppt? Hast du schon einmal Spargeld für etwas anderes ausgegeben, etwa für ein Auto oder einen Urlaub? Würdest du an dein Depot gehen, wenn eine größere Rechnung kommt? Wenn du mehrmals Ja sagst, kann dir die höhere Hürde der Police mehr wert sein als ihre Kosten. Wenn nicht, sind die Flexibilität und die niedrigeren Kosten des Depots meist mehr wert.
Umschichten:
Fonds wechseln im Vertrag oder im Depot
Hier liegt ein Vorteil der Police, der oft unterschätzt wird. Er zählt aber nicht für jeden.
Du tauschst einen Fonds gegen einen anderen, und es fällt keine Steuer an. Versteuert wird erst die Auszahlung am Ende2. Das gilt für normale, öffentlich angebotene Fonds und ETFs, nicht für individuell verwaltete Spezialdepots in der Hülle2. Wie oft du kostenlos wechseln darfst, steht in den Vertragsbedingungen.
Was kostet das? Wir nehmen das Rechenbeispiel von oben und lassen dich im Depot nach 10 und nach 20 Jahren einmal alles verkaufen und neu anlegen:
Eigene Berechnung mit denselben Annahmen wie oben, ohne Sparer-Pauschbetrag und Ordergebühren. Das Umschichten kostet im Depot also rund 4.700 €. Die Police liegt trotzdem rund 14.900 € zurück. Gleich auf läge sie bei Effektivkosten von rund 0,7 % statt 0,5 %.
Warum überhaupt umschichten?
Welche Märkte vorne liegen, wechselt. Einige Beispiele aus den Daten des Indexanbieters MSCI, in US-Dollar, Rendite pro Jahr17, 18:
| Zeitraum | Schwellenländer | Industrieländer (Welt) |
|---|---|---|
| 2000–2009 | 10,1 % | 0,2 % (USA: −0,9 %) |
| 2010–2019 | 4,0 % | 10,1 % (USA: 13,6 %) |
Japan ist das bekannteste Beispiel in die andere Richtung: Der Leitindex Nikkei erreichte Ende 1989 einen Rekord und hat ihn erst im Februar 2024 wieder übertroffen, gut 34 Jahre später19. Einen festen Rhythmus gibt es dabei nicht, und niemand weiß vorher, welcher Markt als Nächstes vorne liegt.
Ehrlich eingeordnet: Ein ETF auf einen weltweiten Index verschiebt die Gewichte der Länder von selbst. Diese Umschichtungen passieren im Fonds und lösen für dich keine Steuer aus, versteuert werden nur Ausschüttungen, Vorabpauschale und dein eigener Verkauf6. Der Steuervorteil der Police beim Umschichten zählt deshalb vor allem, wenn du selbst aktiv zwischen Regionen oder Themen wechseln willst oder dein Geld vor der Rente Schritt für Schritt in sicherere Anlagen umbauen musst.
Rebalancing:
automatisch und ohne Steuer
Rebalancing heißt: Deine Aufteilung wird regelmäßig auf das Ziel zurückgesetzt, zum Beispiel 70 % Aktien und 30 % Anleihen. Was stark gestiegen ist, wird teilweise verkauft, was zurückgefallen ist, wird nachgekauft. In der Police ist das ein Fondswechsel im Vertrag und löst keine Steuer aus2. Manche Tarife machen es automatisch, ob und zu welchen Kosten, steht in den Bedingungen. Im Depot kostet jeder Verkauf Steuer. Du kannst dort aber über die Sparrate nachsteuern, also mehr von dem kaufen, was zurückgefallen ist23.
Bringt Rebalancing mehr Rendite? Die Studien sagen: Es kommt darauf an, was du mischst.
- Aktien und Anleihen: Vanguard hat eine Mischung aus 50 % weltweiten Aktien und 50 % Anleihen von 1926 bis 2014 untersucht. Jährlich rebalanciert brachte sie 8,1 % im Jahr bei 9,9 % Schwankung. Nie rebalanciert waren es 8,9 %, aber bei 13,2 % Schwankung, weil der Aktienanteil im Schnitt auf 81 % stieg. In Simulationen über 30 Jahre brachte Nicht-Rebalancieren in über 70 % der Fälle mehr Rendite, meist mit mehr Risiko23.
- Mehrere ähnlich schwankende Anlagen: Hier kann Rebalancing eine Zusatzrendite bringen, in der Forschung „Diversification Return“ genannt24, 25. Beispiel: 50 % US-Aktien und 50 % lange US-Staatsanleihen, jährlich rebalanciert, kamen von 2000 bis 2009 auf 4,44 % im Jahr. Der Durchschnitt der beiden Einzelrenditen lag bei 3,32 %, das Rebalancing brachte also 1,12 Prozentpunkte mehr24. Das war allerdings ein Jahrzehnt mit schwachen Aktien.
Ehrlich eingeordnet: Vanguard nennt als Hauptziel des Rebalancings, das Risiko zu begrenzen, nicht die Rendite zu erhöhen23. Mehr Rendite bringt es nur in bestimmten Marktphasen und Mischungen. Der echte Vorteil der Police ist, dass du es ohne Steuer machen kannst, gerade wenn du kurz vor der Rente Schritt für Schritt sicherer anlegen willst.
Lebenslange Rente:
Was der Rentenfaktor bedeutet
Das stärkste Argument für die Police ist eine Rente, die nie aufhört, egal wie alt du wirst. Wie hoch sie ist, sagt der Rentenfaktor: So viel Euro Monatsrente bekommst du je 10.000 € Guthaben. Bei fondsgebundenen Verträgen steht der endgültige Wert erst bei Rentenbeginn fest13.
Eigene Berechnung: 112.471 € × 30 / 10.000. Rentenfaktor 30 wie im Beispiel von Finanztip13, ohne Rentensteigerungen aus Überschüssen.
Wer mit 67 in Rente geht, muss also rund 95 werden, bis allein sein Guthaben zurückgeflossen ist. Finanztip kommt mit derselben Rechnung auf 94,8 Jahre13. Zum Vergleich: Wer 65 ist, lebt laut Statistischem Bundesamt im Schnitt noch rund 18 Jahre (Männer) bzw. 21 Jahre (Frauen)14. Dafür bist du abgesichert, falls du 95 oder 100 wirst. Mit einem Depot musst du dir das Geld selbst einteilen.
Vor dem Abschluss solltest du prüfen, ob es einen garantierten Mindest-Rentenfaktor gibt und ob der Versicherer den Faktor später senken darf. Der Bundesgerichtshof hat eine solche Senkungsklausel bereits gekippt13. Musst du die Rente nicht nehmen, kannst du dir das Kapital meist auch auf einmal auszahlen lassen.
Kündigen, Pause, Beitragsfreistellung:
Wie flexibel du bist
- Geld entnehmen, ohne zu kündigen: Du kannst dir einen Teil des Guthabens auszahlen lassen, der Vertrag läuft mit dem Rest weiter. Steuer fällt nur auf den Gewinnanteil der Entnahme an, die eingezahlten Beiträge werden anteilig abgezogen22. Vor 62 oder in den ersten 12 Jahren sind das 25 % Abgeltungsteuer plus Soli auf 85 % dieses Gewinns, danach gilt die Halbierung zu deinem persönlichen Steuersatz2, 4.
- Kündigen: Du bekommst den Rückkaufswert, bei fondsgebundenen Verträgen den aktuellen Wert der Versicherung. Weil die Abschluss- und Vertriebskosten bei Kündigung nur auf die ersten fünf Jahre verteilt werden müssen, ist in den ersten Jahren oft weniger drin, als du eingezahlt hast11.
- Beitragsfrei stellen: Du zahlst nichts mehr ein, der Vertrag läuft weiter, sofern die vereinbarte Mindestleistung erreicht ist11. Die laufenden Kosten fallen weiter an.
- Im Depot: Du kannst die Rate jederzeit ändern, pausieren oder Anteile verkaufen. Dann fällt Steuer auf den Gewinn an, und der Kurs kann gerade schlecht sein.
Hast du schon eine Police, lohnt sich ein Blick, bevor du kündigst. Die teuren ersten Jahre sind oft schon bezahlt, und brauchst du nur Geld, reicht oft eine Teilentnahme. Für Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, gelten außerdem die alten Steuerregeln3. Ob Weiterzahlen, Beitragsfreistellung oder Kündigung besser ist, hängt von den Zahlen deines Vertrags ab.
Was passiert im Todesfall?
Bei der Police legt das dein Vertrag fest. Wer das Geld bekommt, bestimmst du über das Bezugsrecht15. Ob in der Ansparphase das Guthaben oder die Beiträge ausgezahlt werden und ob nach Rentenbeginn noch etwas fließt, etwa über eine Rentengarantiezeit, steht in den Bedingungen. Ohne solche Vereinbarungen endet eine Rente mit dem Tod. Ein Depot gehört dagegen vollständig zum Erbe. Erbschaftsteuer kann in beiden Fällen anfallen, auch auf eine Auszahlung aus der Police15.
Wann sich eine Fondspolice lohnen kann, und wann nicht
Kann passen, wenn
die Effektivkosten sehr niedrig sind (in unserem Beispiel unter rund 0,5 bis 0,7 %, zum Beispiel bei einem Nettotarif1), der Vertrag 20 Jahre und länger läuft, dein Steuersatz im Alter eher niedrig ist, du unterwegs aktiv umschichten oder eine Mischung aus Aktien und Anleihen regelmäßig ohne Steuer rebalancieren willst, du weißt, dass du an frei verfügbares Geld eher herangehst (dann können sich auch höhere Kosten lohnen, siehe Wenn du ans Rentengeld gehst) und dir eine Rente wichtig ist, die bis zum Lebensende fließt.
ETF-Sparplan meist besser, wenn
die Police übliche Kosten von 1,5 % und mehr hat, du einfach einen weltweiten ETF besparen willst, du das Geld schon in den ersten Jahren brauchen könntest (dann ist wegen der Abschlusskosten oft weniger drin als eingezahlt), du im Depot auch in Krisen diszipliniert bleibst, oder dir wichtig ist, dass im Todesfall alles an deine Erben geht.
Mehr zum Depot selbst steht in Depot eröffnen, mehr zum Sparplan in Vermögensaufbau mit ETF-Sparplan.
Und das Altersvorsorgedepot ab 2027?
Eine normale fondsgebundene Rentenversicherung ist kein Altersvorsorgedepot und bekommt keine staatlichen Zulagen. Ab dem 1. Januar 2027 gibt es die neue Förderung: Auf eigene Beiträge legt der Staat Zulagen drauf, erstmals auch bei Verträgen ohne Garantie16. Dafür ist das Geld bis zur Rente gebunden. Was genau gilt, steht im Ratgeber Altersvorsorgedepot 2027. Ob das für dich besser passt als eine ungeförderte Police, hängt davon ab, wie viel du sparen willst und wie flexibel du bleiben musst.
Passt eine Police zu dir, oder lieber ein Depot?
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Weiterlesen zur Altersvorsorge
- Altersvorsorge: Rentenlücke berechnen
- Altersvorsorgedepot 2027: Förderung für deine Altersvorsorge
- ETF-Sparplan-Rechner
- Wie riskant ist ein ETF-Sparplan?
- Depot eröffnen
- Alle Ratgeber
Häufige Fragen zur Fondspolice
Was ist eine Fondspolice?
Eine Rentenversicherung, bei der deine Beiträge in Fonds angelegt werden, zum Beispiel in ETFs. Man nennt sie auch fondsgebundene Rentenversicherung. Im Alter bekommst du eine lebenslange Rente oder das Kapital auf einmal. Bei Tarifen ohne Beitragsgarantie schwankt der Wert wie bei einem Depot.
Ist eine fondsgebundene Rentenversicherung sinnvoll?
Manchmal. Sie kann sich lohnen, wenn die Kosten sehr niedrig sind, der Vertrag lange läuft, du unterwegs umschichten willst oder du im Alter eine lebenslange Rente möchtest. Bei üblichen Kosten bleibt mit einem ETF-Sparplan im eigenen Depot meist mehr übrig, auch nach Steuern.
Was ist besser: Fondspolice oder ETF-Sparplan?
Bei gleicher Rendite entscheiden die Kosten. Die Police hat Steuervorteile, kostet aber mehr. In unserem Beispiel mit 150 € im Monat über 30 Jahre bleiben beim ETF-Sparplan nach Steuern rund 19.600 € mehr, bei 1,5 % Effektivkosten der Police. Gleich auf liegt die Police erst bei rund 0,5 % Effektivkosten, wenn im Depot zweimal komplett umgeschichtet wird bei rund 0,7 %.
Lohnt sich eine Fondspolice trotz höherer Kosten?
Das hängt vor allem von deinem Verhalten ab. Wer im Depot 30 Jahre lang diszipliniert bleibt, hat mit dem ETF-Sparplan meist mehr. Wer in Krisen verkauft oder Rentengeld zwischendurch für anderes ausgibt, verliert schnell mehr, als die Police kostet: In unserem Beispiel fehlen nach einer Entnahme von 10.000 € mit 45 im Depot mit 67 rund 34.600 € Guthaben, das sind rund 104 € Rente im Monat. Dann liegt die Police trotz 1,5 % Effektivkosten rund 10.100 € vorne. Das gilt aber nur, wenn die höhere Hürde der Police dich wirklich bremst.
Kann ich bei einer Fondspolice Geld entnehmen?
Ja, auch ohne zu kündigen. Du kannst dir einen Teil des Guthabens auszahlen lassen, der Rest läuft weiter. Steuer zahlst du nur auf den Gewinnanteil der Entnahme: vor 62 oder in den ersten 12 Jahren 25 % Abgeltungsteuer plus Soli auf 85 % davon, danach nur auf die Hälfte und zu deinem persönlichen Steuersatz. In den ersten Jahren ist das Guthaben wegen der Abschlusskosten oft noch niedriger als deine Einzahlungen.
Kann ich in der Fondspolice die Fonds steuerfrei wechseln?
Ja. Wechselst du innerhalb des Vertrags von einem Fonds in einen anderen, fällt keine Steuer an. Versteuert wird erst, was ausgezahlt wird. Wie oft ein Wechsel kostenlos ist, steht in den Vertragsbedingungen. Im Depot musst du zum Umschichten verkaufen und zahlst Steuer auf den Gewinn.
Bringt Rebalancing in der Fondspolice mehr Rendite?
Nicht automatisch. Rebalancing setzt deine Aufteilung regelmäßig auf das Ziel zurück und begrenzt vor allem das Risiko. Bei einer Mischung aus Aktien und Anleihen brachte Nicht-Rebalancieren in einer Vanguard-Studie über 1926 bis 2014 sogar mehr Rendite, aber mit deutlich mehr Schwankung. Bei mehreren ähnlich schwankenden Anlagen kann Rebalancing eine Zusatzrendite bringen. Der Vorteil der Police: Das Umschichten kostet dort keine Steuer.
Wie wird eine Fondspolice versteuert?
In der Ansparphase gar nicht. Bei einer Auszahlung gilt zuerst eine Teilfreistellung: 15 % des Gewinns sind steuerfrei, beim ETF im Depot sind es 30 %. Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und bist du mindestens 62 (bei Verträgen bis 2011: 60), wird vom Rest nur die Hälfte mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, also 42,5 % des Gewinns. Bei einer lebenslangen Rente zahlst du nur Steuer auf den Ertragsanteil, ab 67 sind das 17 % der Rente.
Soll ich meine Fondspolice kündigen oder beitragsfrei stellen?
Nicht vorschnell. Die Abschlusskosten sind oft schon in den ersten Jahren bezahlt, die laufenden Kosten fallen aber weiter an. Brauchst du nur Geld, reicht oft eine Teilentnahme. Vorher prüfen: Effektivkosten, Rentenfaktor, Alter des Vertrags (für Verträge von vor 2005 gelten die alten Steuerregeln) und was bei Kündigung oder Beitragsfreistellung übrig bleibt.
Was passiert mit der Fondspolice, wenn ich sterbe?
Das legt dein Vertrag fest. Das Geld bekommt die Person, die du als bezugsberechtigt einträgst. Ob in der Ansparphase das Guthaben oder die Beiträge ausgezahlt werden und ob nach Rentenbeginn noch etwas fließt, etwa über eine Rentengarantiezeit, steht in den Bedingungen. Ohne solche Vereinbarungen endet eine Rente mit dem Tod. Ein Depot gehört dagegen vollständig zum Erbe.
Quellen
- Stiftung Warentest, „Fondsgebundene Rentenversicherung im Vergleich: Gute ETF-Auswahl – aber oft hohe Kosten“ (Stiftung Warentest Finanzen 6/2025; 22 Tarife ohne Beitragsgarantie, 3 „gut“; Nettotarife meist über Honorarberater): test.de
- § 20 EStG, Abs. 1 Nr. 6 (Versteuerung des Unterschiedsbetrags bei Auszahlung, Hälfte nach 12 Jahren, Satz 5 vermögensverwaltende Verträge, Satz 6 Todesfallschutz bei Kapitallebensversicherungen, Satz 9: 15 % steuerfrei bei fondsgebundenen Verträgen), Abs. 2 (Veräußerungsgewinne) und Abs. 9 (Sparer-Pauschbetrag): gesetze-im-internet.de
- § 52 Abs. 28 EStG (Satz 5: Verträge vor 2005 nach altem Recht; Satz 7: Alter 62 bei Verträgen ab 2012): gesetze-im-internet.de
- § 32d EStG (Abs. 1: Abgeltungsteuer 25 %; Abs. 2 Nr. 2: halber Gewinn aus Versicherungen zum persönlichen Steuersatz): gesetze-im-internet.de
- § 4 Solidaritätszuschlaggesetz (5,5 %): gesetze-im-internet.de
- Investmentsteuergesetz: § 16 (was beim Anleger versteuert wird), § 18 (Vorabpauschale), § 20 (Teilfreistellung 30 % bei Aktienfonds): gesetze-im-internet.de
- § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. bb EStG, Ertragsanteil 17 % bei Rentenbeginn mit 67: gesetze-im-internet.de
- BaFin, „Wenn Lebensversicherungen zu viel kosten“ (BaFinJournal, 18.03.2022; Effektivkosten meistverkaufter fondsgebundener Produkte, Eintrittsalter 37, 30 Jahre, 100 € monatlich): bafin.de
- BaFin, „Kundennutzen in der Lebensversicherung: Aktuelle Untersuchung gibt neue Einblicke“ (19.06.2026; 54 Lebensversicherer, teuerstes Viertel 1,9 %): bafin.de
- § 2 Abs. 1 Nr. 1, 9 und Abs. 2 VVG-InfoV (Kosten in Euro, Effektivkosten): gesetze-im-internet.de
- § 169 VVG (Rückkaufswert, Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt, Zeitwert bei fondsgebundenen Verträgen) und § 165 VVG (prämienfreie Versicherung): gesetze-im-internet.de
- Deutsches Aktieninstitut, MSCI World-Rendite-Dreieck für die monatliche Geldanlage, Stand 31.12.2025 (30 Jahre Spardauer: schlechtester Fall 6,2 %, Durchschnitt der 21 Zeiträume 7,9 %, eigene Auswertung der Tabelle, ohne Kosten und Steuern): dai.de
- Finanztip, „Rentenfaktor“ (Beispiel 100.000 € × Rentenfaktor 30 = 300 € Rente, Guthaben erst mit 94,8 Jahren zurück, BGH-Urteil zur Senkungsklausel): finanztip.de
- Statistisches Bundesamt, Sterbetafel (fernere Lebenserwartung mit 65: Männer 18,0, Frauen 21,1 Jahre, Sterbetafel 2023/2025): destatis.de
- § 159 VVG (Bezugsberechtigung) und § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG (Erwerb aus Vertrag zugunsten Dritter): gesetze-im-internet.de, gesetze-im-internet.de
- Bundesregierung, „Private Altersvorsorge wird attraktiver“: bundesregierung.de
- MSCI, Factsheets MSCI Emerging Markets Index (USD, Jahresrenditen MSCI Emerging Markets und MSCI World 1999–2012, Stand 31.05.2013, und 2012–2025, Stand 30.09.2026); Rendite pro Jahr eigene Berechnung aus den Jahreswerten (Bruttorenditen): msci.com, msci.com
- MSCI, US Equity Index Total Returns, Stand 31.12.2009 und 31.12.2019 (MSCI US Prime Market 750 Index, 10 Jahre: −0,94 % bzw. 13,59 % pro Jahr): msci.com, msci.com
- Bloomberg, „Nikkei Overtakes 1989 High to Hit Record as Global Funds Pour In“ (22.02.2024): bloomberg.com
- Richard H. Thaler, „Mental Accounting Matters“, Journal of Behavioral Decision Making 12 (1999), S. 183–206: doi.org
- Morningstar, „Mind the Gap 2026“ (05.08.2026; US-Fonds und ETFs, 10 Jahre bis 31.12.2025: Anleger 8,7 %, Fonds 9,9 % pro Jahr): morningstar.com
- BMF-Schreiben vom 01.10.2009 zur Besteuerung von Versicherungserträgen (BStBl I 2009 S. 1172; Rz. 61–64: Teilauszahlungen, Beiträge werden anteilig abgezogen) und Ergänzung vom 29.09.2017 (BStBl I 2017 S. 1314; Rz. 64c ff.: 15 % Steuerfreistellung nur für Investmenterträge, bei Bestandsverträgen erst ab 2018): haufe.de
- Yan Zilbering, Colleen M. Jaconetti, Francis M. Kinniry Jr., „Best practices for portfolio rebalancing“, Vanguard Research, November 2015 (50/50 weltweit 1926–2014: jährlich 8,1 % bei 9,9 % Volatilität, nie rebalanciert 8,9 % bei 13,2 %; Simulation 30 Jahre: über 70 % der Fälle ohne Rebalancing höhere Rendite; Zuflüsse zum Rebalancieren nutzen): Vanguard-PDF
- Scott Willenbrock, „Diversification Return, Portfolio Rebalancing, and the Commodity Return Puzzle“, Financial Analysts Journal 67 (2011), Nr. 4, S. 42–49 (Tabelle 1: 50 % S&P 500 / 50 % lange US-Staatsanleihen 2000–2009): arxiv.org
- David G. Booth, Eugene F. Fama, „Diversification Returns and Asset Contributions“, Financial Analysts Journal 48 (1992), Nr. 3, S. 26–32: cfainstitute.org
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